Fallbeispiele

An dieser Stelle möchte ich Ihnen einige anonymisierte Fallbeispiele vorstellen, so dass Sie sich ein Bild von den Problemen meiner kleinen und großen Klienten bzw. meiner Arbeit machen können.

Wie Sie aus den unten beispielhaft aufgelisteten Fällen sehen, sind dieFragestellungen in meiner Lerntherapeutischen Praxis sehr unterschiedlich. Doch hat gerade diese Vielfältigkeit dazu geführt, dass ich meinen therapeutischen Ansatz kontinuierlich weiterentwickelt und verbessert habe. Die hohe Qualität wird durch den fachlichen Austausch mit Kollegen, durch regelmäßige Supervisionen undFortbildungen erreicht.

So konnte ich mich zusätzlich zu den Therapien im Grundschulalter auch zur Spezialistin für Therapien, die aus dem üblichen Rahmen fallen, entwickeln: Kinder, die schon vor der Einschulung auffallen, Kinder aus der Förderschule, Jugendliche ausHaupt-, Realschule oder Gymnasium bis in die Oberstufe, Erwachsene, die sich schon aufgegeben hatten, Kinder die an AD(H)S leiden, hochbegabte junge Menschen, Kinder und junge Menschen, die an mehreren Störungen gleichzeitig leiden oder von einem Burnout bedroht sind usw.

Mein Ziel ist, dass meine kleinen und großen Klienten die notwendige Kompetenz entwickeln, selbstständig und mit Freude motiviert lernen bzw. arbeiten zu können. So habe ich bei meinen Therapien bereits den Schulstoff höherer Klassen bzw. das Berufsleben im Fokus und bereite die Grundlagen dafür vor. Selbstverständlich ist eine Intervention auch dann noch möglich und sinnvoll, wenn (junge) Erwachsene bemerken, dass sie - aus welchen Gründen auch immer - im Beruf nicht bestehen können.

Die Hilfe für meine Klienten wird individuell festgelegt. 
Manche Kinder und Jugendlichen kommen tatsächlich nach der Testung nur alle vier bis fünf Wochen, um das häusliche Training anzupassenProbleme zu besprechenund sich über Fortschritte zu freuen
Andere Klienten besuchen mich einmal wöchentlich, um eine regelmäßige Legasthenie- oder Dyskalkulietherapie durchzuführen, dasAufmerksamkeitsproblem in den Griff zu bekommen, selbstbewusster zu werden, eine evtl. vorhandene Angst zu verlieren oder einfach um Lücken im Unterrichtsstoff zu füllen.

Maximilian, 12 Jahre, 6. Klasse Hauptschule, Frust

Maximilian besucht die Hauptschule. Schon seit längerer Zeit hat er sehr schlechte Noten, v. a. auch in Mathematik und Deutsch. Seit einiger Zeit stört er massiv im Unterricht, kommt zu spät zur Schule, ist wenig motiviert und arbeitet kaum mit. Die Nachmittage vertrödelt er meist mit Fernsehen oder Computerspielen. Hausaufgaben macht er sehr unwillig und schlampig. Für Klassenarbeiten beginnt er erst spät am Abend an zu lernen und versucht dann, sich den Stoff ins Kurzzeitgedächtnis einzuprägen. Beim Rechtschreiben unterlaufen ihm viele Flüchtigkeitsfehler. Inzwischen glaubt Maximilian selbst nicht mehr daran, dass er seine Noten verbessern kann.

Marco, 6 Jahre, Vorschule, Probleme zu reimen und Silben zu gliedern

Marco ist ein Vorschulkind, hat noch zwei ältere Geschwister. Die Schwester zeigt keine schulischen Probleme, doch hat der Bruder (3. Klasse) enorme Schwierigkeiten im Lesen und Schreiben. Marco wurde beim Einschulungstest als "schulreif" eingestuft.
Er interessiert sich für Zahlen und kleine Rechenaufgaben und kann seinen Vornamen schreiben. Das Vorschulprogramm im Kindergarten macht ihm großen Spaß, sein Sprechen ist unauffällig. Doch hat er bei Übungen, die sich auf das Erkennen formaler Aspekte der gesprochenen Sprache beziehen, deutliche Defizite im Vergleich zu gleichaltrigen Kindern. So kann sich Marco Gedichte oder Liedertexte nicht gut merken und hat Schwierigkeiten mit dem Reimen. Auch die Silbengliederung gelingt ihm kaum.

Mia, 7 Jahre, 1. Klasse, schlechtes Gedächtnis und ängstlich

Mia besucht seit einigen Monaten die erste Klasse einer Grundschule. Obwohl sie körperlich und sprachlich normal entwickelt erscheint, ist sie sehr schüchtern. Im Kindergarten war bereits aufgefallen, dass sich Mia die Reihenfolge der einzelnen Schritte bei Bastelarbeiten nicht merken konnte oder einfache Regeln bei Spielen durcheinander brachte. In der Schule ist für Mia die Aufgabenstellung nicht klar, so dass sie dann häufig einfach verlegen oder hilflos reagiert und der Lehrerin fragende Blicke zuwirft.

Jana, 11 Jahre, 5. Klasse Mittelschule, ruhig

Jana besucht die 5. Klasse einer Mittelschule. Ihre Klassenlehrerin beschreibt sie als ein "ruhiges" Kind. Sie sei zwar aufmerksam, beteilige sich aber kaum am mündlichen Unterricht. Zudem gebe Jana sofort auf, wenn sie eine Aufgabe nicht gleich verstehe. Ihre Leistungen im Fach Deutsch seien insgesamt "ausreichend", mitunter aber nur "mangelhaft". Und mit dem erhofften Übertritt auf die Realschule nach der 5. Klasse scheint es nichts zu werden.

Luis, 11 Jahre, 6. Klasse Realschule

Obwohl Luis sich sehr bemüht und durchschnittliche Noten in der Realschule schreibt, werden seine Leistungen im Deutschaufsatz nur mit mangelhaft beurteilt. Die Lehrerin sagt, Luis Aufsätze seien zu kurz, inhaltlich unvollständig, ungegliedert, wirkten "hingeschmiert" und zeigten keinerlei Spannung. Da Luis bereits seit der 4. Klasse schlechte Noten für seine Aufsätze bekam, "hasst" er es inzwischen, Aufsätze zu schreiben. Zwar ärgert es ihn, dass er bei Aufsätzen nicht besser ist; er hat aber keine Idee, was er besser machen könnte. 

Lara, 12 Jahre, Förderschule

Lara besucht seit der 1. Klasse eine Förderschule und zeigt sowohl im Lesen als auch im Schreiblernprozess deutliche Defizite: Ihre Fähigkeit, Buchstaben zu memorieren, ist deutlich eingeschränkt. Die Buchstaben-Laut-Zuordnung ist nicht gefestigt; bei einfachen Wortdiktaten fehlen auch bei häufigem Üben einzelne Buchstaben.

Linda, 9 Jahre, 4. Klasse

Linda besucht die 4. Klasse einer Grundschule.
In den ersten beiden Schuljahren war das Mädchen im Unterlicht freundlich, aufgeschlossen, aufmerksam und interessiert. Die Unterrichtsbeiträge zeigten, dass sie Sachverhalte sorgfältig durchdacht und begriffen hat. Ihr sprachlicher Ausdruck war klar und deutlich, schriftliche Arbeiten erledigte sie konzentriert, ausdauernd und weitgehend selbstständig. Im Verlauf des 3. Schuljahres hielt sich Linda jedoch beim Lesen und Schreiben immer mehr zurück, ihre kindliche Unbefangenheit, unbeschwerte Lernfreude sowie ihr Selbstwertgefühl schwanden immer mehr. Weil im 4. Schuljahr eine Verschärfung dieser Lage drohte, riet die Lehrerin zur Abklärung eines Legasthenie-Verdachts.

Luca, 11 Jahre, 4. Klasse

Luca fällt immer wieder durch sein unbedachtes und impulsives Verhalten auf. Bei Aufgaben und Arbeitsanweisungen hört er meist nicht bis zum Ende zu, sondern fängt gleich an. Er rät oft und auch bei einem Misserfolg denkt er nicht
weiter nach, sondern macht einfach weiter. Bei Rechenaufgaben achtet er beispielsweise selten darauf, ob Multiplikationen, Additionen oder Subtraktionen gefordert werden; beim Lesen vertut er sich in den Zeilen und in HSU erinnert er sich nicht mehr an die vorausgegangenen Lemeinheiten. Seine Schulleistungen sind unbefriedigend und selten einmal kommt er mit einer guten Note oder einem Lob des Lehrers nach Hause.

Simon, 13 Jahre, 7. Klasse Realschule

Simon ist 13 Jahre alt und besucht die 7. Klasse einer Realschule. Was die schulischen Anforderungen betrifft, so erwartet er stets, schlecht abzuschneiden. Erfolge führt er auf Ursachen zurück, die mit ihm selbst nichts zu
tun haben. Als ihn seine Mutter nach dem Ergebnis einer Schularbeit zum Bruchrechnen fragt, erwidert er ihr, dass sie sich die Frage sparen könne; schließlich habe er praktisch immer schlechte Noten in Mathe geschrieben. Simon fertigt seine Hausaufgaben sehr oberflächlich an und erledigt sie erst dann, wenn seine Mutter hartnäckig darauf besteht. Seine Leistungen in Mathematik haben sich seit dem Übertritt in die Realschule stetig schlechtert. In der Klasse gehört er inzwischen zu den schwächsten Schülern.

Sarah, 8 Jahre, 3. Klasse, Rechenstörung

Als bei Sarah im Alter von acht Jahren eine Rechenstörung diagnostiziert wird, haben sich schon erhebliche Lernrückstände im Fach Mathematik eingestellt. Zudem weicht sie inzwischen schulischen Anforderungen aus. Aufgaben, die geistige Anstrengung erfordern (auch solche, die sich nicht auf das Rechnen beziehen), beginnt sie nur sehr ungern und bringt sie selten zu Ende. Laura beteiligt sich mittlerweile kaum noch am Unterricht und geht stattdessen eigenen Aktivitäten nach (malen, Haare kämmen, Papierflugzeuge falten). Mit Bestürzung erfahren ihre Eltern vom Klassenlehrer, dass bereits eine Rückversetzung in die zweite Klasse im Gespräch ist. Vor allem auf Grund der freundschaftlichen Kontakte zwischen Sarah und einigen ihrer Mitschülerinnen möchten die Eltern ihr diesen Wechsel nicht zumuten.

Emilia, 14 Jahre, 8. Klasse Gymnasium

Emilias Leistungen haben sich im letzten halben Jahr deutlich verschlechtert. Die Eltern beklagen die schlechten Schulnoten und die geringe Konzentration beim Lernen. Die Hausaufgaben führen fast täglich zu Auseinandersetzungen mit der Mutter. In der Schule gibt es vor allem die größten Schwierigkeiten in der Mathematik, allerdings wird Emilias Lemverhalten auch in Englisch, Deutsch und Physik immer ungünstiger. Ein Intelligenztest bescheinigt Emilia eine überdurchschnittliche Intelligenz. Besondere Schulleistungsstörungen sind bei ihren mathematischen Fähigkeiten festzustellen; insbesondere kann Emilia keine binomischen Formeln lösen. Ihr fällt es aber auch bereits schwer, mehrstellige Zahlen zu multiplizieren.

Marie, 8 Jahre, 2. Klasse, Lese- und Rechtschreibstörung

Marie wurde auf Grund einer Empfehlung der Erzieherin im Kindergarten erst mit 7 Jahren eingeschult. Schon zu
Beginn des Lese- und Schreiblernprozesses fiel auf, dass sie die Einzellaute beim Lautieren von Buchstabenfolgen nicht miteinander verbinden konnte. Das Erlesen von Wörtern gelang ihr nur mit Unterstützung der Lehrkraft. Ebenfalls früh auffällig waren Maries Probleme, Buchstabengestalten abzuspeichern und sie in einer angemessenen Zeit wieder abzurufen. Jetzt, zu Beginn des zweiten Schuljahres, zeigt sich ein massives Versagen auf dem Gebiet der Rechtschreibung bei ansonsten durchschnittlichen Leistungen im Rechnen. Die Eltern suchen auf Anraten der Lehrerin außerschulische Unterstützung.

Torsten, 11 Jahre, Konzentrationsschwäche, Aggression

Torsten kann sich nur für kurze Zeit konzentrieren und gerät rasch an die Grenzen seiner Belastungsfähigkeit. Vor allem bei den Hausaufgaben kommt es deshalb immer wieder zu Schwierigkeiten. Er versucht sich davor zu drücken, weiß häufig nicht, was er zu tun hat, und kommt nur mühsam voran. Wenn ihn seine Mutter allzu sehr drängt, kommt es zu Wutausbrüchen und Aggression (etwa Hefte wegwerfen, lauter Protest). Eltern und Lehrer sind über das Verhalten des Kindes verärgert und reagieren immer unwilliger. Die Probleme sind zuletzt so eskaliert, dass der Junge die Schule verlassen soll.

Lukas, 6 Jahre, 1. Klasse, Angst, Aggression

Lukas hat Angst, auf die Rutsche zu klettern, traut sich nicht alleine auf die Schaukel und kann noch nicht Rad fahren. Auch reagiert er höchst unwillig, wenn er Pullover anziehen soll. Wenn er angefasst wird, zeigt er heftige Abwehrreaktionen (z. B. Treten und Schimpfen). Lukas malt und zeichnet nicht altersgemäß. Bei Spielen, welche die Raumlageerfassung fördern sollen, hat er große Schwierigkeiten. Er verwechselt Begriffe wie "zwischen", "hinter", "auf', "unter". Lt. IQ-Test verfügt Lukas über eine durchschnittliche Intelligenz.

Ben, 10 Jahre, 4. Klasse, Grundschule

Ben ist ein zurückhaltender und unauffälliger Schüler. Bis zum Beginn des Schuljahres war seine Versetzung zu keinem Zeitpunkt gefährdet - seine Mathematiknoten schwankten zwischen "befriedigend" und "ausreichend". Mit der steigenden Komplexität von Textaufgaben unter Einbezug von Multiplikationen und Divisionen in der 4. Klasse nahmen seine Leistungen jedoch über die ersten Wochen und Monate kontinuierlich ab.

Tim, 9 Jahre, 3. Klasse, schwierige Hausaufgabensituation

Die Hausaufgaben haben sich für Tim und seine Mutter zu einer täglichen "Krisensituation" entwickelt. Es vergeht kaum ein Tag ohne Konflikte. Eigentlich soll Tim seine Hausaufgaben gleich nach dem Mittagessen erledigen; er zögert den Beginn aber stets hinaus und verhandelt mit seiner Mutter um jede Viertelstunde Aufschub. Wenn er endlich angefangen hat, unterbricht er die Arbeit immer wieder, will etwas trinken, sucht seinen Radiergummi oder blättert in einem Comic. Seine Mutter ermahnt ihn dann zunehmend ärgerlich, wieder an die Arbeit zu gehen. Schließlich setzt sie sich neben ihn und passt auf, dass er dabei bleibt. Aber auch dann ist Tims Vorgehen häufig Anlass für Zurechtweisungen ihrerseits. Er lässt sich nur wenig Zeit, um die Arbeitsanweisungen zu verstehen, und probiert stattdessen sehr rasch einen Lösungsweg aus. Ist er damit nicht erfolgreich, wechselt er vorerst zu einem anderen Fach. Auch die einzelnen Teile einer Aufgabe löst er häufig nicht der Reihe nach. So kommt er sehr rasch durcheinander und macht infolgedessen viele Fehler. Wenn seine Mutter ihn auf einen Fehler hinweist, ist er sehr schnell entmutigt, wirft das Heft auf den Boden und bricht in Tränen aus. Ihre Versuche, ihn dann zur Weiterarbeit zu überreden, enden häufig im Streit. Insgesamt zieht sich die Erledigung der Hausaufgaben über den gesamten Nachmittag hin.

Konstantin, 9 Jahre, 2. Klasse, evtl. Wechsel in Förderschule

Konstantin wiederholt bereits die zweite Klasse und hat noch immer sowohl beim Lesen und Schreiben als auch beim Rechnen Schwierigkeiten. Die Frage nach sonderpädagogischem Förderbedarf steht im Raum, wobei die Eltern eine Überweisung in die Förderschule verhindern möchten und bei ihrem Sohn eher eine Lese-/Rechtschreibschwäche vermuten.

Philipp, 9 Jahre, 2. Klasse Grundschule, leistungsschwach

Philipp besucht die 2. Klasse einer Grundschule. Im Lesen, Schreiben und Rechnen zeigt er durchgehend schwache Leistungen und es besteht der Verdacht auf eine Entwicklungsverzögerung in Verbindung mit einer Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätsstörung.
Um die Ursachen der schulischen Leistungsschwächen von Philipp abzuklären, wird mit ihm eine diagnostische Untersuchung durchgeführt. Im IQ-Test erzielte er einen weit unterdurchschnittlichen Wert. Während der Testung verliert er rasch das Interesse, sucht allerlei Ablenkung, zeigt sich aber lebhaft interessiert und leistungstüchtig bei den zwischenmenschlichen Problemen, die das "Bilderordnen" bietet. Wenn Philipp beispielsweise ein Bild malen darf, zeigt er sich äußerst aufmerksam und wenig ablenkbar. Daher wird vermutet, dass der gemessene IQ die tatsächliche Befähigung von Philipp unterschätzt und dass seine Verhaltensauffälligkeiten eber eine Reaktion auf als eine Ursache für seine Leistungsschwierigkeiten darstellen.

Sebastian, 8 Jahre, 2. Klasse, unsicher, verträumt

Sebastian besucht die zweite Grundschulklasse. Im ersten Schuljahr waren seine Leistungen noch gut, seit Beginn der zweiten Klasse verschlechterten sie sich aber ständig. Zu Hause sitzt er manchmal bis zu sechs Stunden an seinen Hausaufgaben, ohne viel zustande zu bringen. Auf Anraten der Klassenlehrerin hat die Mutter die tägliche Hausaufgabenzeit nun auf maximal 45 Minuten begrenzt. Im Unterricht forderte Sebastian von Anfang an eine hohe Aufmerksamkeit der Klassenlehrerin. Er ignorierte ihre Arbeitsanweisungen und Aufforderungen zumeist, forderte stattdessen aber häufig ihre Hilfe. Beispielsweise hört er bei Aufgaben, die er nicht sicher lösen kann, auf zu arbeiten und wendet sich sofort an die Lehrerin ("Ich kann das nicht! Wie geht das?"). Im Unterricht wirkt er unbeteiligt, unkonzentriert, uninteressiert und verträumt, stört aber kaum. Oft spielt oder malt er.

Leonie, 11 Jahre, 5. Klasse Realschule, Probleme beim Aufsatz und Textaufgaben

Leonie besucht die 5. Klasse einer Realschule. Vor dem Schulwechsel lagen Leonies Leistungen im Durchschnitt, in den letzten Monaten zeichnet sich jedoch eine deutliche Verschlechterung ab. In Mathematik hat Leonie bei der Bearbeitung von Textaufgaben große Schwierigkeiten. Dabei sind sich Lehrerin und Leonies Mutter einig, dass Leonies Probleme nicht auf mangelnde Kenntnisse der Rechenoperationen zurückgehen, sondern in ihrem Vorgehen begründet sind. Die Grundrechenarten beherrscht Leonie altersangemessen. Im Deutschunterricht zeigt sie beim Lesen und Rechtschreiben durchschnittliche Leistungen. Soll sie dagegen einen Aufsatz schreiben, hat sie große Mühe, überhaupt anzufangen, kommt nur langsam voran und produziert zusammenhanglose und kaum nachvollziehbare Texte.
Die Mutter berichtet, dass Leonie schon in der Grundschule Schwierigkeiten beim Schreiben von Aufsätzen hatte. Leonie benötigte sehr viel Zeit, kam ständig zur Mutter, maulte, dass sie keine Lust hätte und überhaupt nicht wüsste, was sie schreiben oder wie sie die Aufgabe angehen sollte. Die Mutter hätte sich dann immer daneben setzen und viele Hinweise geben müssen. Auch bei Textaufgaben zeigte Leonie schon damals Schwierigkeiten. Die Mutter nahm die Probleme aber nicht so ernst, weil Leonie die Lösungen letztendlich berechnen konnte und sie selbst als Kind auch nicht gerne Aufsätze geschrieben hätte. Allerdings hat sich die Problematik seit dem Schulwechsel deutlich verschärft. Während sich Leonie früher sehr lebhaft am Unterricht beteiligte, meldet sie sich jetzt nur noch selten. Das Halbjahreszeugnis fiel entsprechend unterdurchschnittlich aus. Die Mutter macht sich inzwischen große Sorgen, weil s!e seit Leonies Wechsel auf die Realschule wieder berufstätig ist und folglich nicht mehr so viel Zeit hat, mit Leonie zu üben oder ihr bei den Hausaufgaben zu helfen.
Leonies Arbeitsverhalten ist durch eine deutliche Misserfolgsorientierung ("lch kann das sowieso nicht") sowie durch ein wenig geplantes und zielgerichtetes Vorgehen gekennzeichnet. Selten werden die Handlungsschritte auf ihre Effektivität hin bewertet und ggfs. verändert.